Folge #20: Scham

Scham ist ein selbstbezogenes Gefühl der Minderwertigkeit oder Bloßstellung, das entsteht, wenn man (tatsächlich oder vorgestellt) gegen eigene oder soziale Normen verstoßen hat und sich negativ bewertet fühlt. Anders als Schuld richtet sich Scham auf die ganze Person („ich bin falsch“), nicht primär auf eine Handlung („ich habe etwas Falsches getan“).

Scham (Duden)

durch das Bewusstsein, (besonders in moralischer Hinsicht) versagt zu haben, durch das Gefühl, sich eine Blöße gegeben zu haben, ausgelöste quälende Empfindung

Herkunft:

Mittelhochdeutsch: schame, scheme oder Althochdeutsch: scama -> kommt von Schande

Schande (Duden)

  1. etwas, was jemandes Ansehen in hohem Maße schadet
  2. in höchstem Maße beklagenswerter, empörender, skandalöser Vorgang, Zustand, Sachverhalt

Heute haben wir uns unter anderem mit der Frage befasst: Sind Scham, Schuld und Verlegenheit drei wirklich trennbare Emotionen oder sind es Abstufungen einer Emotion? Die Autor*innen der mitgebrachten Studie zeigen, dass diese Konzepte phänomenologisch, funktional und auch empirisch trennbar sind (Tangney, et al., 2005).

Verlegenheit ist kurzzeitig und geht mit stark physiologischen Reaktionen einher (Herzrate, Erröten) und hat wenig moralische Implikation. Gefühl des Ertappt- oder Beobachtetwerdens spielt eine Rolle.

Schuld hängt an Erkenntnis (oder Einbildung) konkreter Fehlhandlungen und geht mit Reparation/Entschuldigung einher, hängt stark am Empathievermögen.

Scham hängt stark mit der Kohärenz von Selbstbild und Idealbild zusammen und führt stark zu Rückzug, Leugnung und der Externalisierung von Schuld.

In einer Meta-Analyse geht ferner hervor, dass Frauen ein höheres Schuld- bzw. Schamempfinden haben als Männer.
Anm.: Wundert das irgendwen? Männer reden das Frauen als Instrument zur Machtkontrolle auch schon im Kleinkindalter ein!
Spannend ist, dass höhere „sex-guilt“ – ich verwende den unübersetzten Begriff – korreliert mit weniger sexueller Aktivität, negativer Haltung gegenüber Sex, niedriger Erregung und vielem weiteren.

Referenzen:

Tangney, J. P., Mashek, D., & Stuewig, J. (2005). Shame, Guilt, and Embarrassment: Will the Real Emotion Please Stand Up? Psychological Inquiry, 16(1), 44–48. http://www.jstor.org/stable/20447260

Emmers-Sommer, T. M., Allen, M., Schoenbauer, K. V., & Burrell, N. (2018). Implications of sex guilt: A meta-analysis. Marriage & Family Review, 54(5), 417–437. https://doi.org/10.1080/01494929.2017.1359815 

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