Kurzantwort: Nein. Aber machen wir es uns nicht allzu einfach. Ab in die Wissenschaft!
In CNM Kontext muss man hier in zwei Stränge teilen was die Forschungen betrifft, nämlich die Ehrlichkeit und das Informationsmanagement innerhalb offener Beziehungen (Details, Transparenz, DADT – „Don’t Ask Don’t Tell“ usw.) und dem Disclosure nach außen (Familie, Freunde, Job) – vorwiegende wegen dem Management mit Stigmatisierung und Vorurteilen.
In der CNM-Literatur wird DADT als eine vereinbarte Form von Informationsbegrenzung erwähnt, häufig auch mit der Funktion Eifersucht oder Überforderung zu regulieren.
Wie viel man wissen will überhaupt, wird hier natürlich stark über Regeln und Agreements operationalisiert (z.B. Safety/Risiken, Gefühle etc.).
Hier haben wir von Scoats & Campbell (2022) einen Überblick zu CNM und von Gupta et al. (2024) ein Scoping Review mit 209 Studien zu Polyamorie/CMN – also hier wird echt viel geforscht – und da findet man „Kommunikationsprozesse“, „Agreements“, „Disclosure/Concealment“ und „Stigma“ als wiederkehrende Cluster
Für „Wie ehrlich ist zu ehrlich?“ ist Communication Privacy Management (CPM) quasi das Standardmodell: nicht „Lügen vs Wahrheit“, sondern Grenzen aushandeln, Regeln festlegen, und was passiert, wenn Grenzen verletzt werden („boundary turbulence“).
Ehrlichkeit ist nicht gleich Totaltransparenz – CNM braucht eher informierte Zustimmung plus klare Regeln. Zwischen voller Transparenz und DADT gibt’s Abstufungen – und die sind in der Literatur als legitime Agreements beschrieben.
Warum Menschen begrenzen
- Schutz vor Eifersucht/Überforderung (innerhalb)
- Schutz vor Stigma (außen)
Beide sind empirisch gut dokumentiert.
Die Kernfrage ist: Welche Infos sind notwendig für Consent/Sicherheit? Welche Infos sind optional? Welche Infos verletzen Privatsphäre Dritter (z.B. Metamours)?
Scoats, R. & Campbell, C. (2022) What do we know about consensual non-monogamy? In: Current Opinion in Psychology, Vol. 48. https://doi.org/10.1016/j.copsyc.2022.101468
Gupta, S., Tarantino, M., & Sanner, C. (2024). A scoping review of research on polyamory and consensual non-monogamy: Implications for a more inclusive family science. Journal of Family Theory & Review, 16(2), 151–190. https://doi.org/10.1111/jftr.12546
