Folge #19: Streit!

Im heutigen Thema bin ich etwas vom üblichen Modus abgewichen und habe über Streit zu wissenschaftlichen Erkenntnissen berichtet („Dispute“). Das Problem liegt auf der Hand: Egal, welchen Quatsch man behauptet, Google, ChatGPT & Co. werden schon irgendwie einen vermeintlich soliden wissenschaftlichen Artikel dazu liefern und schon kann ich die Keule schwingen…

Das ist aber wissenschaftlich erwiesen!

(Jeder Mensch – irgendwann mal.)

Was tut man nun? Tja, es ist freilich müßig.
Totalen Quatsch erzählen: 5 Sekunden
Totalen Quatsch widerlegen: 5 Stunden
ABER das Gefühl danach: Priceless.
(Wer die Werbungen noch kennt)

Hier kommt also mein Beispiel:

Eine sehr neue Studie von Veh et al. 2025 befragte 210 Versuchspersonen (monogame und nicht-monogame Personen). Unter anderem ging es um Konfliktlösungsstile, und da gibt es drei Ansätze

  1. Positiver Ansatz (Verhandlung/Kompromiss)
  2. Engagement (eskalierendes Einsteigen, persönliche Angriffe)
  3. Rückzug (Vermeidung/Abbruch)

Die Ergebnisse schön von ChatGPT zusammengefasst:

  • CMN-Beziehungen wählen eher den verhandelnden/Kompromissansatz als monogame
  • Den höchsten Score für Eskalation/persönliche Angriffe zeigen monogame Frauen
  • Den höchsten Score für Vermeidung/Abbruch zeigen nicht-monogame Männer.

So, bisschen Stereotype reproduzieren, passt schon, die hysterischen Frauen und die Männer, die mit Gefühlen ja nicht umgehen können, klingt ja logisch.

Okay. Ich bin ja Wissenschaftler, und ich möchte mal erklären, was ich mit sowas dann mache. Also wir schauen mal in den Artikel rein, der ist Peer Reviewed, das ist schon mal gut, das Journal Sexes hat einen IF (2024) von 0,9. Warum schau ich das an? Naja wenn das beides nicht vorhanden ist, haben wir schon mal einen Warnhinweis.

Wir schauen rein, was wurde erhoben?

Seite 3-4 Methods lesen wir, welche Inventare verwendet wurden, das Conflict Resolution Styles Inventory (CRSI) stammt von Kurdek 1994 und basiert auf einem anderen Modell der 1970er Jahre. Und hier schreiben die Autor*innen ganz klar – also die sind nicht schuld – das Modell wurde 2016 von Bonache et al. validier, mit einem Cronbachs Alpha .78-.87 – einfach gesagt der Test ist „gut“ was die innere Konsistenz betrifft. Nun schreiben die Autor*innen hier aber „However, the Cronbach’s alpha for this test was low, measuring 0.4” – was übersetzt heißt, der Test war für dieses Sample „inakzeptabel“ – also kann man die Ergebnisse ziemlich in die Tonne klopfen.

Was ich damit sagen will ist folgendes: Wer hat die Deutungshoheit über Wissenschaftliche Erkentnisse? Ich würde sagen, jeder der in der Lage ist, so eine Studie wirklich lesen zu können, was heißt, die statistischen Verfahren kennt, die Kennzahlen der Tests versteht und dadurch in der Lage ist, das auch richtig einzuordnen.

Veh, R., García, P. F., & García-Vega, E. (2025). Relationship Satisfaction, Sexual Desire, Jealousy, and Conflict Resolution in Monogamous and Consensually Non-Monogamous Romantic Relationships. Sexes, 6(2), 19. https://doi.org/10.3390/sexes6020019

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