Wo das Wort „Sucht“ drinnen steckt, das kann doch nichts Gutes sein, oder? Aber langsam. Definieren wir das mal aus psychologischer Sicht.
Eifersucht [engl. jealousy], [EM, SOZ], bez. eine aversive emot. Reaktion (Emotionen), die als Ergebnis einer außerdyadischen Beziehung eines Partners eintritt. Diese Beziehung kann real oder vorgestellt sein oder für wahrscheinlich gehalten werden. Drei Formen der Eifersucht sind zu unterscheiden: (1) Reaktive Eifersucht beschreibt die affektive Reaktion (Affekt) auf einen tatsächlichen partnerschaftlichen Vertrauensbruch. (2) Präventive Eifersucht ist durch die Absicht gekennzeichnet, den Partner als Reaktion auf erste Warnzeichen davon abzuhalten, eine Beziehung mit einer dritten Person einzugehen. (3) Selbsterzeugte Eifersucht wird als generalisierte Reaktion beschrieben, die paranoide Züge aufweisen kann und für Außenstehende schwer nachvollziehbar ist.
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(aus dem Lexikon der Psychologie https://dorsch.hogrefe.com/stichwort/eifersucht)
Im Podcast sprechen wir über zwei Formen der Eifersucht in romantischen Beziehungen, „reactive jealousy“ – welche eher zur Selbstreflektion führt (ad 1) und „suspicious jealousy“ – welche sich eher in manipulativem Verhalten der Beziehungsperson gegenüber manifestiert (ad 3).
Attridge, M. (2013). Jealousy and Relationship Closeness: Exploring the Good (Reactive) and Bad (Suspicious) Sides of Romantic Jealousy. Sage Open, 3(1). https://doi.org/10.1177/2158244013476054
Die Studie zeigte, dass Abhängigkeit in einer Beziehung zu höherer Eifersucht führt. Anm.: Abhängigkeiten sind vielfältig, betreffen aber vor allem noch immer Frauen, z.B. finanzielle Abhängigkeit, emotionale Abhängigkeit, Co-Abhängigkeit (Sorge, Selbstaufgabe). Die Abhängigkeit wird dann bewusst ausgenutzt, um die betroffene Person zu manipulieren.
Ein Systematic Review über 230 Studien zeigte, dass Studien zu Eifersucht vorwiegend mit höher gebildeten jungen Menschen durchgeführt wurde (sample bias), und Befunde zu geschlechtsspezifischer Manifestation von Eifersucht uneinheitlich sind. Spannend ist jedoch der Befund , dass bei Frauen die Eifersucht zyklusabhängig ist. Bei homosexuellen Paaren zeigte sich, dass Auslöser für Eifersuchtsverhalten weniger in sexuellen Themen liegen.
Der besorgniserregendste Befund ist jedoch, dass es einen Zusammenhang zwischen Eifersucht und häuslicher Gewalt gibt, und dass Alkoholkonsum eine Mediatorvariable ist.
(Erklärung: „Mediator = Vermittlerrolle“, sie steht in einer Kette: Die Ursache beeinflusst den Mediator, und dieser beeinflusst wiederum die Wirkung.)
