Folge #12: Shibari & Kinbaku

Als ich mich wissenschaftlich mit Rope Bondage befasste, war ich verwundert, wie viele Studien es zu diesem Themenbereich gibt.

Therapeutische Wirkung

Eine qualitative Studie zeigte, dass Rope-Bondage Körpergefühl und Empowerment, Kommunikation und Gemeinschaft fördert und auch einen bewussten Raum für unbewusste Muster der Heilung bietet. Eine zweite Studie hob den psychologischen und sozialen Nutzen durch inklusives Community-Erleben und verstärktes Wohlbefinden durch körperliche Praxis hervor.

Harris, E. (2023) Healing Experiences in Japanese Rope Bondage Practise: A Phenomenological Study.
https://www.researchgate.net/publication/376770694_Healing_experiences_in_Japanese_rope_bondage_practice_A_phenomenological_study

Galati, M. (2017) The Therapeutic Impact of Rope Bondage: a case study in the UK.
https://www.researchgate.net/publication/326489528_The_Therapeutic_Impact_of_Rope_Bondage_a_case_study_in_the_UK

Gefahren

Selbstverständlich handelt es sich bei Rope Bondage um Praktiken, die mit dem Risiko körperlicher Verletzungen einhergeben – wie das in vielen BDSM-Praktiken der Fall ist. Man spricht auch von „RACK“ (Risk Aware Consensual Kinks). eine Studie zeigte, dass – besonders in Suspensions (Aufhängungen) – Schäden des nervus radialis die häufigste Verletzung sind („Fallhand“).

Khodulev, V. et al. (2023) Acute Radial Compressive Neurophathy: The Most Common Injury Induced by Japanese Rope Bondage.
https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/37384078/

Kunst

Eine Studie befasst sich mit dem Konzept von Shibari als eine „Schreiben“ mit dem Seil auf der Leinwand des Körpers – also als performativen Kunstakt, der eine emotionale Verbindung zwischen den Personen herstellt

Soulrope, K. (2023) On the Art of Shibari as a Form of Writing.
https://doi.org/10.48417/technolang.2023.03.05

Psychische Gesundheit

Alles Perverse? Alles Freaks? Das ist ja nicht normal?

Mitnichten. Abgesehen davon, dass etliche Studien der Vergangenheit schon zeigte, dass große Teile der Bevölkerung Fantasien zu BDSM-Praktiken haben (65% Bondage, 45% Spanking), zeigte eine Studie mit 1.112 Versuchspersonen , das Rope Bondage zu den beliebtesten BDSM-Praktiken zählt und Intimität, Lust, Selbstfindung und Stressabbau zu den Hauptmotiven gehört.

Mehrere Studien (erwähnt im Artikel als Sekundärliteratur) zeigten zudem, dass „BDSM-Praktizierende“ psychisch stabiler waren, als die Vergleichsgruppen, weniger neurotisch und höher in der Offenheit (OCEAN).

Schuerwegen, A. et al. (2023) BDSM in North America, Europe, and Oceania: A Large-Scale International Survey Gauging BDSM Interests and Activities.
https://www.researchgate.net/publication/373139557

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