Immer diesen neuen Worte… was ist denn das schon wieder?
Sex Positivity ist eine Bewegung. Und ob sie nun aus der Ball Room Culture der 1920er Jahre in Harlem (New York) kommt, oder aus der sexuellen Revolution der 1960er oder aber aus der Gay Acceptance Movement / LGBTIQ+ rights movement der 70-90er Jahre ist hier nun nebensächlich. Es geht nämlich recht zeitlos um eines, nämlich die Sexualität als etwas Natürliches, Vielfältiges und grundsätzlich Positives zu betrachten – solange sie einvernehmlich, selbstbestimmt und respektvoll ist.
Was hat das nun mit Kink zu tun? Naja vorerst mal gar nichts. Aber man muss auch sehen, dass der Weg von Sex Positivity zu Kink ein nicht weiter ist. Denn wenn man mal den Menschen und den Raum gefunden hat, mit dem man Dinge ausleben kann, die nicht so ganz „Vanilla*“ sind, dann rutscht man schnell vom einem ins andere. Aber jetzt mal von vorn:
Belous & Schulze (2022) haben die „Sex Positivity Scale“ entwickelt, und diese haben wir als Online-Experiment gesetzt und auf Instagramm verteilt. Die Befragung läuft noch bis 6. Juli!
Doing Kink vs. Being Kink?
Diese Frage stellt sich Kalafatis-Russell (2022) in einem Systematic Review (Übersichtsstudie) über BDSM-Praktiken. Hier wurden 91 Studien zum Thema „Kink“ untersucht zeigt einen klaren Unterschied zwischen Verhalten (doing) und Identität (being), der klinisch, sozial und politisch relevant ist.
Doing Kink (Verhalten):
- Kurzfristig und eventbezogen (Partys, Sessions)
- Außerhalb der Selbstdefinition und des Alltags
- Motivation: Experimentell und Lustbezogen
Being Kink (Identität):
- Längerfristig
- Teil der Selbstdefinition (wie sexuelle Orientierung)
- Teil einer Community
- Tief verankert in Lebensstil / Beziehung
- oft verbunden mit politischen / queeren Identitäten
Kink wird oft fälschlich pathologisiert, d.h. laut Diagnostik-Manualen wie dem „IDC-10“ (das noch sehr gebräuchlich ist) gilt das als psychische Störung. Das „ICD-11“ macht das nicht mehr und das „DSM-5“ spricht von „Paraphilie“ also den „ungewöhnlichen Sexuellen Interessen“ (okay, damit können wir wohl leben oder?)
Was sagt die WHO?
Klares Statement: BDSM ist keine psychische Störung!
Quellen:
Wikipedia Eintrag Sex Positive Movement
https://en.wikipedia.org/wiki/Sex-positive_movement
BBC-Artikel über Sex Positive Movement
https://www.bbc.com/worklife/article/20210818-what-does-sex-positivity-mean
Belous, C. & Schulz, E. (2022) The Sex Positivity Scale: a new way to measure
sex positivity as a trait. https://doi.org/10.1080/14681994.2022.2140136
Kalafatis-Russell, A. (2022) Doing Kink vs. Being Kinky: A Systematic Scoping Review of the Literature on BDSM Behavior, Orientation, and Identity. https://digitalcommons.unf.edu/cgi/viewcontent.cgi?article=2172&context=etd
