Folge #15: Was, wenn sich wer verliebt?

Die Liebe ist ein Trick der Natur zur Erhaltung der menschlichen Rasse.

(frei nach Arthur Schopenhauer)

In der Wissenschaftsecke habe ich diesmal erwähnt, dass es kaum zu einem Thema mehr Forschung bzw. Studien gibt, als zur romantischen Liebe. Mein Zugang zum „Verlieben“ ist ein klar naturwissenschaftlicher, genau gesagt ein Neurobiologischer/Neurochemischer. Mich fasziniert, was sich im Gehirn abspielt, wenn die „Hormone verrückt spielen“.

In der Folge berichte ich von einer wichtigen Unterscheidung, nämlich der maternalen (mütterlichen/elterlichen) Liebe vs. der romantischen Liebe. Wir lieben unsere Kinder, aber anders als unsere Partner:innen. Dennoch zeigen beiden Formen viele Ähnlichkeiten, z.B. in der Aktivierung des Paralimbischen Systems – jedoch auch feine Unterschiede. Nicht zu Unrecht spricht man auch immer vom „Liebesrausch“, denn auch Substanzabhängigkeiten zeigen ähnliche Muster in der Aktivierung von Gehirnarealen, wie das Verliebtsein.

Sish, H., et al. (2022) The Neurobiological Basis of Love – A Meta-Analysis of Human Functional Neuroimaging Studies of Maternal and Passionate Love.

Man unterscheidet jedoch auch die „Phasen“ des Verliebtseins.

Lust ist die stark affektive Stufe, bei der Instinkte/Triebe eine große Rolle spielen, hier ist der Spiegel an Testosteron/Östrogen, besonders über die Aktivierung der Amygdala, ein treibender Faktor. Hier wird besonders das vegetative System über externe Anreize aktiviert (Aussehen, Geruch…).

Anziehung ist stark von dopaminergen Prozessen gesteuert, wobei das vegetative Nervensystem durch den Neurotransmitter Dopamin angeregt wird, Organe werden stärker durchblutet, die Erregung steigt, der Körper bekommt ein „High“ was sich durchaus mit dem von Suchtverhalten vergleichen lässt. Hier spielen aber auch Stresshormone wie Noradrenalin oder Cortisol eine Rolle.

Bindung ist die langfristige Phase, die wenig dopaminerg gesteuert ist. Hier kommt das Peptidhormon Vasopresin und das Neuropeptid Oxytocin eine wesentlichere Rolle, da sie sich auf soziale Bindungen und Vertrauensbildung auswirken.

Singh, M. et al. (2025) Decoding the Neurobiology of Romantic Love – Mechanism of Attachment, Desire and Emotional Bonding.

Fun Fact zum Abschluss: Durch die Messungen von Hormonausschüttungen bzw. Aktivierung von Hirnarealen im fMRT kann man zumindest geschlechtsspezifische Unterschiede sehen, worauf die Proband:innen stärker reagieren. Männer reagieren eher auf visuelle Stimulation und Frauen eher auf soziale Signale 🙂

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